Jajaja, ich weiss schon… der Titel ist grenzwertig. Dennoch finde ich ihn sehr passend, denn das ist der erste Gedanke der in meinen Kopf schießt, wenn ich mikroperforierte Haut sehe, die mit dieser Technik “retuschiert” wurde. Aber lasst uns von vorn einsteigen.

Was ist das denn eigentlich?

“Abpudern” – so wurde einmal in einem Videotraining eine Retuschetechnik benannt, die in eine Untergattung der Frequenztrennung eingeordnet werden kann.
Auch IHP oder Invertierter Hochpass wird diese Technik benannt, aber technisch gesehen handelt es sich dabei um einen Bandstop und im weiteren Verlauf dieses Artikels werde ich den richtigen Namen verwenden.

Warum sagt man denn Abpudern dazu?
Der Begriff “Abpudern” kommt daher, dass sie gerne zum entfernen von Glanzstellen benutzt wird. Die feinen Strukturen der Haut bleiben erhalten und alles darunter wird platt gebügelt. Sozusagen “Instant-Retusche”.

Bevor ich aber etwas weiter aushole, hier ein kleiner Vergleich.
Links seht ihr eine ordentliche Portrait-Retusche mit Reparaturpinsel und D&B und rechts den Bandstop

Wie man im Beispiel sehen kann, ist die Haut in beiden Beispielen ganz wunderherrlich glatt und sauber und toll und dufte.
Wenn man sich etwas intensiver mit Retusche auseinander setzt, sieht man aber die Schwachstellen des Bandstops:

Ein unsäglich grausames, mikroperforiertes Hautbild, das bei zunehmendem Betrachtungsabstand immer fleckiger und weichgezeichneter wird.

Warum wird der Bandstop so gerne benutzt?

Er ist schnell und auf den ersten Blick schlichtweg genial. Während alles, was irgendwie wichtig ist noch da ist, werden automatisch alle störenden Dinge entfernt – scheinbar.

Wenn man – was ungeübte Retoucher gerne tun – auf 100% gezoomed retuschiert, sieht das im Vergleich auch nicht so schlecht aus. Alle feinen Details sind – wie in der richtigen Retusche – zu sehen. Keine Spur von Unschärfe, keine Anzeichen von der berüchtigten Bandstop-Haut.

bildschirmfoto-2016-10-25-um-13-27-59
100% Crop. Links Reparaturpinsel und D&B Rechts Bandstop

Wenn man sich etwas heraus zoomt, werden schon ein paar Problemchen sichtbar. Im Beispiel unten werden auf der Nase schon leichte Unschärfen sichtbar. Die Kontur um die Lippen verschwimmt und nimmt hier viel Kontrast weg.

 

66% Crop
66% Crop. Links Reparaturpinsel und D&B Rechts Bandstop

Wir zoomen weiter raus. In der 33% Ansicht sehen wir schon eine extreme Unschärfe. Die Details sind in dieser Größe nicht mehr sichtbar und der fehlende Frequenzbereich … nun ja … fehlt eben. Zusätzlich entstehen auf der Stirn sehr deutliche Schatten, die im Original nicht da sind. DAS ist der typisch weichgespülte Amateur-Bandstop-Look.

bildschirmfoto-2016-10-25-um-13-28-29
33% Crop. Links Reparaturpinsel und D&B Rechts Bandstop

Weiter geht’s – wir zoomen weiter heraus. Die Unschärfen werden immer mehr und die Flecken bleiben. Das ist doch alles scheisse…

bildschirmfoto-2016-10-25-um-13-28-55

Wer sich wirklich interessiert, der bekommt jetzt noch eine technische Erklärung, warum das so ist:

Das ist übrigens ein kleiner Auszug aus meinem Videotraining “Frequenztrennung” – um an dieser Stelle mal ein bisschen Werbung zu machen bzw zu informieren.

Aber!

Jaja, die Beispiele sind super extrem, das ist klar. Warum machen wir das so extrem?

Es ist ein Lern-Prozess, diese Strukturen zu sehen. Man muss das üben und das Auge darauf trimmen. Wie so vieles in der Retusche ist einfach eine Übungssache – da führt kein Weg dran vorbei.
In den Beispielen ist es extrem angewendet, um ganz klar zu zeigen was da passiert.

Aber gut… lasst uns mal ein echtes Beispiel bringen. Das linke Beispiel ist eine 45-Minuten-Retusche mit Reparaturpinsel, Dodge&Burn und Farbanpassungen. Nichts aufregendes, einfach nur “runter gearbeitet nach Schema F”. Das Beispiel entstammt übrigens dem Training “Portrait- und Beauty Retusche“. (schon wieder diese schamlose Werbung)

Das Beispiel rechts habe ich gerade eben gemacht, auch in knapp 45 Minuten. Verwendet wurde hier der Bandstop, der sanft einmaskiert wurde, anschließend eine Runde Reparaturpinsel und die Farbangleichung mittels einer Ebene zwischen LOW-und HIGH-Ebene in der Frequenztrennung. Ich habe ein ganz gutes Auge und wirklich versucht keine Spuren zu hinterlassen und ein schönes Ergebnis zu zaubern.

Steinigt mich, aber ich finde das sieht trotzdem scheisse aus. Und auch hier tritt beim verkleinern der gleiche Unschärfe-Effekt auf und trotz größter Sorgfalt habe ich Flecken auf die Haut gemacht.

bildschirmfoto-2016-10-26-um-09-42-01
Verkleinert man die beiden Bilder, tauchen rechts Flecken und Unschärfe-Effekte auf

Übrigens: 

Wenn man in der Frequenztrennung auf der LOW-Ebene (oder einer Ebene zwischen LOW und HIGH Ebene) malt oder weich zeichnet, entsteht natürlich auch ein Bandstop.
Die Frequenzen über der Trennfrequenz bleiben unangetastet und die hohen Frequenzen unterhalb der Trennung werden entfernt / abgemildert. Es entsteht auch hier wieder ein Loch zwischen Low und High und das gibt dann den wundervollen 90er-Jahre-Haut-Mikroperforator-Look…

Noch ein “Übrigens”:

Tools wie Portraiture nutzen natürlich auch den Bandstop…

5 Idee über “Abpudern Stinkt – Warum die Frequenztrennung nicht gut ist

  1. Helmut sagt:

    Super Artikel und für mich als Retusche-Beginner das Gefühl, bei Euch richtig zu sein. Komme übrigens sehr gut mit dem Toolkit klar und kann es jedem empfehlen, der eine behutsame Retusche anstrebt.

  2. Werner sagt:

    Die Erklärung ist leicht verständlich und einleuchtend.
    Allerdings frage ich mich, warum das Beispielbild ohne jegliche Maskierung dargestellt wurde.
    Auf diese Weise kann man keinen realistischen Vergleich darstellen.

  3. Thomas sagt:

    Das Video gefällt mir super gut. Da ich den Look nicht mag, habe ich nie mit diesen Filtern gearbeitet. Du hast die Wirkungsweise in genau der richtigen Geschwindigkeit erklärt, dass ich das jetzt auch kann.

  4. yothedragon sagt:

    Super geschrieben, musste einmal wirklich lachen! Danke dafür, ich muss noch viel lernen 🙂

Schreibe einen Kommentar