In einem Workshop von Natalia Taffarel gab es schon am ersten Tag ein AHA-Erlebnis. Es passt wunderbar zu dem, was ich immer sage: “Retuschiert nur das, was euch am meisten stört. Zoomt nicht auf 400% rein und fangt planlos an zu retuschieren. Sucht 5 Dinge, die am meisten stören, und arbeitet daran. Dann kommen die nächsten 5.”

Natalia arbeitet mit Farbharmonien. Genau genommen ist sie wohl die Königin der Farben. Man kann nicht zu Natalia sagen: “Das ist rot”, ohne ein “Ja, da ist aber auch ganz schön viel blau dabei” als Antwort zu bekommen. (Note to self: Niemals “Ich sehe was, das du nicht siehst” mit ihr spielen – das kann nur Ärger geben).

Hier eines von Natalias Beispielen, was allein durch Farbanpassung (keine andere Retusche – NUR Farben) schon machbar ist:

Retoucher: Natalia Taffarel © Javiera Eyzaguirre ESTUDIOFE CHILE 2015

Farbharmonien

Wichtig ist: Hier geht es erstmal nur um den Farbton – nicht um die Sättigung oder die Helligkeit der Farben. 

Farben haben sehr unterschiedliche Wirkungen auf den Menschen – und das hat auch die Werbung entdeckt. Die uns umgebenden Bilder erfüllen einen Zweck (zumindest die der erfolgreichen Werbeagenturen): Sie sollen eine Emotion wecken.

Das geht am besten über die Farbharmonien, also die Wechselwirkung zwischen Farben.

Und wie geht das?

Die Theorie dahinter ist recht einfach: Man sucht sich eine Harmonie (klasse Tool), auf die dann alles aufgebaut wird. Hier die verschiedenen Modelle:

Mono

_01_monochromatic

Alles im Bild folgt der gleichen Tonung. (hier: Rot)

Complementary

_02_komplementaer

Zwei komplementäre Farbtöne finden sich im Bild zu gleichen Teilen bzw. mit Gewichtung 75% – 25%. (hier: Rot und Grün)

Split-Complementary

_03_split

In diesem Model wird die Komplementärfarbe im gleichen Winkel gesplittet. (hier wurde grün in Cyan und ein gelbliches Grün gesplittet). Die Gewichtung ist 50% – 25% – 25%.

Double-Complementary

_04_double

Zwei komplementäre Farbenpärchen, die beliebig gegeneinander verschoben werden können. Die Gewichtung ist hier 40% – 20% – 20% – 20%.

Analogous

_05_analog

Drei sehr ähnliche Farben, in der Gewichtung 50% – 25% – 25%. Die beiden “Ableger” können bis zu 90° verdreht werden, bleiben aber symmetrisch zur Hauptfarbe.

Accented analogic

_06_accent

Hier haben wir noch einen “Akzent” gesetzt, komplementär zur Hauptfarbe. Gewichtung ist hier in etwa 40% – 20% – 20% – 20%.

Farben in der Komposition

Was bestimmt denn nun die Gewichtung der Farben? Nun – eigentlich ist das ganz einfach:

  • die Größe der Fläche
  • die Sättigung
  • die Helligkeit

Ist eine Fläche sehr groß, muss sie entweder heller gemacht oder entsättigt werden, um das gleiche optische Gewicht zu erhalten. Denkt doch mal an das schöne Beispiel mit der knallroten Mohnblume im grünen Gras.

50% - 50% Beide Farben sind gleich schwer
50% – 50%
Beide Farben sind gleich schwer
Unbenannt1
Die grüne Fläche ist größer, aber heller. Dadurch behalten beide Farben das gleiche Gewicht
09
Wird die grüne Fläche noch weiter vergrößert und die Helligkeit weiter erhöht sowie die Sättigung verringert, bleibt das Gleichgewicht erhalten
zwei gleich große Flächen, aber Rot wurde etwas dunkler gemacht und Grün im gleichen Verhältnis entsättigt.
zwei gleich große Flächen, aber Rot wurde etwas dunkler gemacht und Grün im gleichen Verhältnis entsättigt.

Es ist jetzt natürlich nicht ganz so einfach, denn in der Gewichtung spielt auch die Position der Farbe eine Rolle. hier ein Beispiel:

13
Rot und Grün, ausgewogen
14
Grün wird durch die Positionierung von Rot gewichtiger

Die Bildkomposition – also die Verteilung der Elemente im Bild – hat demnach auch noch keinen geringen Einfluss auf das Gewicht der Farbe. Diesen Aspekt lassen wir hier erstmal so stehen und kommen in einem der nächsten Teile darauf zurück.

Bereiche bearbeiten

Für den Bildbearbeiter bedeutet das: Man tönt die Bildbereiche nach der Vorgabe aus der gewählten Palette. Hier ist dann Maskieren und händisch anpassen angesagt – adè ihr Preset-Bildlooks. Das war interessant auf dem Workshop: etwa 40% der Retuschearbeit bestand aus freistellen und maskieren:

um die einzelnen Bereiche des Bildes unabhängig voneinander zu bearbeiten ist etwas Maskierarbeit nötig
um die einzelnen Bereiche des Bildes unabhängig voneinander zu bearbeiten ist etwas Maskierarbeit nötig

Wenn die Masken erstellt sind, wird den verschiedenen Bereichen im Bild die entsprechende Tonung gegeben. Mit welchen Werkzeugen man das macht (Kurven, Farbton/Sättigung/ Selektive Farbkorrektur) ist erstmal völlig egal, solange man den Hue bzw. den Farbton richtig trifft. Mit richtig treffen meine ich nicht “irgendein Blau”, sondern “das Blau darf keine andere Tonung haben, als die aus der Palette”.

Am Ende der Farbkorrektur wird über Helligkeit und Sättigung die Gewichtung schön stimmig eingestellt – und das ist (sorry) Übungssache und es gibt keine Shortcuts dafür. Wer wirklich mit Farben arbeiten möchte, muss den langen Weg des Lernens gehen. Ähnlich wie bei Dodge&Burn kann man das Auge schulen, um die feinen Nuancen zu sehen und die Bestandteile der Farben schnell zu erfassen.

Sollte Euch jemand dafür den “ultimativen Trick” verkaufen wollen: Glaubt ihm das nicht, egal wer es ist.

So, nach den schlechten Nachrichten springe ich mal zurück zum Ausgangsbild von Natalia: So sieht das dann nach der Retusche mit d&b aus:

Das Bild brauchte von Shooting bis zum Druck 3 Stunden und entstand bei einem von Natalias Workshops. (© Javiera Eyzaguirre ESTUDIOFE CHILE 2015)

Zum Thema “Was ist der richtige Hautton” haben wir Natalia selbst gefragt:

Zum Abschluss dieses Artikels noch ein Beispiel von mir mit passender Farbpalette (Bearbeitung mit Maskierung etc.: ca 3h)

Ich habe mir für das Bild Gelb als den stärksten Farbton ausgesucht, brauchte aber auch noch das Violett von dem Blumenhut (gibt es dafür ein Wort, das besser klingt?), sowie einen schönen Hautton. So sah dann meine Palette aus:

Bildschirmfoto 2015-10-27 um 16.51.43

Gelb für das Kleid, Violett für den Kopfschmuck, Orange für die Haut und das Blau wurde im Hintergrund verwendet. Andere Farbtöne gibt es im Bild nicht. Eigentlich ja ganz einfach, oder?

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6 Idee über “Die Macht der Farben – bessere Bilder durch Farbharmonien

  1. Pingback: Age Gate

  2. Pingback: Farbharmonien und ihre Wirkung ausführlich erklärt - by RAWexchange | Licht.Bar Fotografie

  3. Pingback: Die Macht der Farben | LichtwaagePhotodesign

  4. SK-Berlin sagt:

    Danke für die Infos – vor allem auch für den Hinweis auf den Color Schme Designer. Für meine Webseite konnte ich den auch sofort verwenden (weil man da ja mit absoluten Farbangaben arbeitet).

    Anders für den hier genannten Einsatzzweck in der Bildbearbeitung:

    “Wenn die Masken erstellt sind, wird den verschiedenen Bereichen im Bild die entsprechende Tonung gegeben. Mit welchen Werkzeugen man das macht (Kurven, Farbton/Sättigung/ Selektive Farbkorrektur) ist erstmal völlig egal, solange man den Hue bzw. den Farbton richtig trifft. Mit richtig treffen meine ich nicht “irgendein Blau”, sondern “das Blau darf keine andere Tonung haben, als die aus der Palette”.”

    leichter gesagt als getan – wie bekommt man das denn in PS hin? Maskieren und die Werte “nach Geschmack” zu ändern ist mit den genannten Werkzeugen natürlich kein großes Problem – aber ganz genau eine bestimmte Tonung zu erzeugen schon eher.

    Und wenn man die dann gefunden hat – wie kann man sicherstellen, anschliessend nur ganz genau Helligkeit/Sättigung zu ändern ohne eben wieder auch den Farbton zu verändern?

    vg, stefan

    • Karsten Wusthoff
      Karsten Wusthoff sagt:

      Moin Stefan,
      schon a bisserl her, aber wir Kommentare hier auf dem Blog sind so selten, da gehen die uns schonmal so durch.
      Also das mit “genau der Tonung” kommt im Artikel strenger rüber, als es gemeint ist. Es ist eben wichtig, nicht nach Zahlen, sondern nach dem Auge zu gehen bzw. dieses zu trainieren. “Das Blau” muss, wenn du das ganze Bild betrachtest, eben das Blau aus deiner Palette sein. Dass sich in Schatten, Lichtern und Graustufen auch der Farbton mal marginal verändert, ist ganz normal und natürlich. Da also nicht zu technisch und “überkorrekt” sein. Insbesondere, da der Farbtonwert bei PS und z.B. dem CSD nicht übereinstimmt. PS geht hier von “invertierten” Farben aus (also Rot = 0°, Rot invertiert/Cyan = 180°), während der CSD eher Richtung Göthe-Farbrad geht und die Komplementärfarben nimmt (Rot = 0°, Grün/Komplementärfarbe zu Rot = 180°).

      Wenn du einen Farbton gefunden hast, der passt, kannst Helligkeit/Sättigung über die gleichnamigen Ebenenmodi gezielt bearbeiten. Also Kurven-Ebene auf “Sättigung” bzw. “Luminanz” lässt den Farbton komplett in Ruhe.

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