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Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Über Umwege und Zufälle! Vom bildanalytischen Aspekt haben mich Fotos schon lange interessiert. Selber aktiv wurde ich als Schülerin, als freie Mitarbeiterin einer Tageszeitung. Zur Modelfotografie kam ich während meines Studienjahrs in Südindien, wo ich als Schauspielerin und Model entdeckt wurde. Zurück in Deutschland habe ich dann nach einiger Zeit die Seiten gewechselt und bin hinter der Kamera gelandet.

Warum hast du die Seiten gewechselt?

Ich glaube das liegt mir einfach besser. Wie ich selbst aussehe, weiß ich ganz gut, mir haben eher die Rollen und das Verkleiden gefallen. Da hatte ich aber irgendwann genug ausprobiert, der Reiz war raus. Hinter der Kamera kann ich jetzt mit vielen Gesichtern und Persönlichkeiten arbeiten, was das Rollenspektrum ganz erheblich erweitert hat. Daher ist das viel spannender.

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Du hast Indien erwähnt, deine Bilder sind gerne bunt und knallig. Hängt das zusammen?

Die indische Ästhetik hat mich schon beeinflusst. Ich mag symbolhafte und farbenfrohe Kompositionen. Mehr als der orientalische gefällt mir der orientalistische Look: Er beschreibt den Orient nicht objektiv, sondern bewusst mit westlichem Blick. Orientalismus ist aber eigentlich ein negatives Konzept. Es meint, dass der Westen den Orient durch seinen Blick auf ihn quasi mental rekolonialisiert, ihn einerseits als das Gegenteil von sich selbst zu stilisieren, andererseits als Ort – erotischer – Phantasien und Wünsche. In meinen Bildern soll auch ein wenig diese Kritik mitschwingen. Inspirierend finde ich auch vergangene Epochen – der Fotografie haftet ja immer etwas Nostalgie an. Im engeren Sinne sind das Musik und klassische Gemälde.

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Was genau ziehst du dir aus klassischen Gemälden oder vergangenen Epochen?

Die Kunst des Barock fasziniert mich beispielsweise, weil in der ganzen Schönheit schon so viel Dekadenz, aber auch Verderbliches steckt. Das kondensiert ganz passend in einem Marie Antoinette zugeschriebenen Zitat: Sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben. Bei dieser Opulenz ahnt man schon immer irgendwie, dass da etwas auf der Kippe steht. Die Kombination aus Nostalgie, Vergänglichkeit und Verderben, die in solchen Bildern steckt, gefällt mir gut. Wenn es um Natur geht, finde ich das Mittelalter sehr passend, auch wenn das historisch – ebenso wie das mit dem Barrock – natürlich nicht ganz adäquat ist.

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Lässt du dich auch von anderen Fotografen inspirieren?

Nein, eigentlich gar nicht, das stimmt mich immer eher demotivierend: Oft denke ich dann, es gibt ja schon alle Bilder, warum soll ich da noch selbst fotografieren.

Viele deiner Arbeiten stehen Online, du verbreitest viel über Social Media. Wie wichtig ist dir das Feedback und beeinflusst es deine Arbeit?

Natürlich. Da ist – glaube ich – keiner frei von Beeinflussung. Was mich manchmal ärgert, ist, dass Fans einen schnell auf einen Stil festlegen. Und immer, wenn man dann etwas präsentiert, das nicht diesem Stil entspricht, geht das Feedback deutlich runter und die Leute sagen: Mach doch mal wieder was Märchenhaftes. Dabei bin ich doch gerade deshalb in der Fotoszene, weil ich verschiedene Stile ausprobieren möchte. Da ich ja auch als Dozentin arbeite und das auch weiter ausbauen will, finde ich es wichtig, verschiedene Richtungen auch mal von Innen gesehen zu haben, um sie angemessen erklären und sinnvolle Tips geben zu können. Andererseits ist Social Media super, um Partner für Kooperationen zu finden oder um sich für solche inspirieren zu lassen. Das wäre für mich – jemand der sehr ungern organisiert – sonst absolut nicht machbar.

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Kommen deine Ideen schlagartig oder baust du deine Bilder langsam im Kopf auf?

Manche Ideen begleiten mich über Jahre und ich warte auf eine gute Gelegenheit, sie umzusetzen. Anderes ergibt sich während eines Shootings.

Hast du auch Dinge wie Mimik und Gestik bereits im Kopf oder ist die Bildidee eher durch Location, Kostüme etc. definiert und den Rest lässt du während des Shootings spontan entstehen?

Gestik – also Posing – ist mir sehr wichtig und ich gebe es oft minutiös vor. Ungünstiges, thematisch unpassendes oder unvorteilhaftes Posing kann für mich ein Bild völlig zerstören. Mit der Mimik gehe ich anders vor, damit das Model nicht zu sehr verkrampft, gebe ich weniger vor und möchte, dass sie sich eher in ihre Rolle einfühlt. Andere Vorgehensweisen haben meiner Erfahrung nach zu sehr steifen Gesichtsausdrücken geführt.

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Deine Locations sind gerne ausgefallen, z.B. Zirkus, Lost Places, Unterwasser. Fallen dir solche Motive direkt ein und dann überlegst du, wie du das umsetzt oder stolperst du über Locations und überlegst dann, was für ein Shooting dort geht?

Auch hier gilt „sowohl als auch“. Ich habe viele Ideen im Hinterkopf, wenn mir die richtige Location begegnet, setze ich sie um. Bei meinem ersten Zirkusprojekt kam ich über Beziehungen zur Location, weil ich selbst mal in einem kleinen Familienzirkus mitgefahren bin. Ein anderes Mal hat mich ein Kollege angeschrieben, er hätte einen Zirkus als Location und ob ich nicht Lust hätte mitzufotografieren.

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Deine Modelle gehen teilweise schon über das Posing hinaus, indem sie zusammen mit der Location eine Art Handlung darstellen. Möchtest du gerne Geschichten mit deinen Bildern erzählen?

Ich nenne es eher Konzepte. Ja, ich möchte natürlich bestimmte Emotionen hervorrufen, was in kleinen Geschichten gut funktioniert. Aber nicht jeder muss dasselbe in die Bilder interpretieren. Für den einen mag ein Bild primär Nostalgie ausdrücken, für den anderen wirkt es übertrieben und deviant. Gut so.

Wie planst du solche Shootings? Hast du eine feste Strategie oder planst du jedes Mal individuell?

Ganz ohne Konzept geht es nicht, das ist klar, aber ich plane wie gesagt recht ungern, von daher lagere ich diesen Teil, v.a. bei TFP, gerne aus: Da erwarte ich dann, dass das Modell Location und Kostüm selbst organisiert. Dann schickt sie mir ein paar Vorschläge und wir besprechen, in welche Richtung das Thema gehen kann.

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Welcher Typ bist du: Nimmst du möglichst viel an Equipment mit und steuerst so jeden Schatten im Detail oder schießt du eher aus der Hüfte mit dem Licht, das die Location bietet?

Man muss wissen, was man retten kann. Ich verzichte z.B. manchmal auf eine Aufhellung, wenn ich weiß, dass ich die Sache in Lightroom und Photoshop leicht regeln kann.

Wie findest du passende Modelle für deine Bilder?

Das Wichtigste: Das Model muss Spaß an der Sache haben, zum Thema passen, mitorganisieren und über eine gesunde Selbstwahrnehmung verfügen. Glücklicherweise finden sich da viele tolle Modelle.

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Wie läuft das genau?

Das klingt jetzt vielleicht etwas arrogant, aber die finden mich. Meistens fragen Modelle bei mir an und ich schreibe dann meine Bedingungen zurück. Je nachdem, ob es dann eine freie Arbeit oder ein bezahlter Auftrag wird, teilen wir die Organisation auf. Manche fragen auch bewusst nach Payshootings, da sie eben weniger organisieren oder spezielle Kostüme von mir wollen. Das ist dann aber für mich meistens nicht so innovativ.

Hast du eine Art Shooting, die du besonders magst, etwa eher Studio oder eine spezielle Art von Location?

Nein – variatio delectat!

Mit welchem Equipment arbeitest du besonders gerne?

Ich habe tolles Licht von der Firma Richter. Ganz besonders mag ich es, mit Gobos zu experimentieren.

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Was hast du noch vor? Gibt es Dinge, in denen du dich gerne noch weiterentwickeln würdest?

Mehr dokumentarische Fotografie fände ich interessant. Allerdings gibt es gerade ein anderes Projekt, mehr auf der wissenschaftlichen Seite: Ich analysiere inszenierte Menschenfotografie unter kulturanthropologischen Gesichtspunkten. Diese Forschung wird mich sicher noch eine ganze Weile begleiten und hoffentlich in meiner Habilitation resultieren.

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Zur Person: Die Fotokünstlerin Jamari Lior hat u.a. Medienwissenschaft studiert und in Medienanthropologie promoviert. Als Fotografie-Dozentin möchte sie nicht nur Techniken, sondern v.a. auch Inhalte (semiotische Bildanalyse) vermitteln. Derzeit wohnt sie in Bonn und hat ihr Studio in Königswinter. Da sie nach eigener Aussage aber bisher ein sehr vagabundierendes Leben führt, sei da nichts in Stein gemeißelt. Ihre Arbeiten sind auf ihrer Webseite und auf Facebook zu bewundern.

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