Liebes (angehendes) Model,

mein Name ist anderes Model. Ich habe die letzten Jahre damit verbracht, einige Dinge herauszufinden und ich wünschte ich hätte diese Dinge gewusst als ich anfing. Bitte denkt nicht ich wäre herablassend, denn ich meine es nur gut und habe keinen Vorteil dadurch, dass ich diese Tricks mit Euch teile. Nicht alles, was ich schreibe mag für Euch zutreffen, denn das Posing variiert je nach Genre. Nehmt mit, was Ihr wollt und ignoriert den Rest. Wenn Euch auch nur einer dieser Vorschläge helfen kann in Eurer zukünftigen Karriere, habe ich meine Zeit sinnvoll investiert.

Regel 1, der Spiegel ist Dein bester Freund. Stell Dich davor, perfektioniere Deine Posen und lerne wie Du Deinen Körper formst. Der Spiegel ist ein perfekter Helfer um Dir zu zeigen was eine Kamera sieht. Stell Dir den Spiegel beim Shooting hinter dem Fotografen vor und denke immer daran was aus dieser Perspektive zu sehen ist. Ein Beispiel: Wenn Dein Fuß sehr nahe an der Linse ist, solltest du daran denken das Dein Fuß das größte Ding im Bild ist… und niemand möchte als Bigfoot in Erinnerung bleiben.

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Achte auf Abstände zwischen deinen Armen/Beinen von Deinem Körper. Damit vermeidet man nicht nur das der Arm an den Körper gedrückt wird und das Körperfett ungünstig platt gedrückt wird, es sorgt auch für eine optische Illusion eines schlankeren Körpers – im Sinne der gesamten Körperbreite. Ein einfacher Trick, der einen großen Unterschied bewirkt.

Dicker Arm vs schlanker Arm
Dicker Arm vs. schlanker Arm

 

Optische Illusion eines schlankeren Körpers
Optische Illusion eines schlankeren Körpers

– Eigne Dir ein Grundverständnis für Licht an. Wenn Du zum Beispiel den Arm in Richtung des Lichtes hebst, kann er für die Kamera eine komplette Blende heller als Dein Gesicht sein (denn er ist dann das Objekt das am nahesten an der Lichtquelle ist – und hier greift die Regel: doppelter Abstand = ein Viertel des Lichts). Außerdem wird der Arm einen Schatten werfen. Dem kannst Du entgegenwirken, in dem Du den anderen Arm verwendest (!) … oder einfach Deinen Arm etwas zurück bewegst, weg von dem direkten Lichteinfall. Es ist von unschätzbarem Wert, zu lernen wie sich Licht verhält. Frage den Fotografen was das Hauptlicht (Keylight) ist und arbeite in diese Richtung.

 

Licht und Schatten
Licht und Schatten

– Achte auf das, was ich “mothing” nenne. Wenn eine Lichtmessung an einem exakten Punkt stattfand, versuche den Abstand beizubehalten – und gib dem Fotografen Bescheid wenn Du näher an die Lichtquelle herankommst. Notfalls kann er das Licht dann anpassen oder die Lampe verschieben.
Das große Krabbeln: “Nein Harry, fliege nicht in das Licht” … “Ich kann nicht anders, es ist soooooo schön…”

– Achte auf die Überdrehung Deiner Augen. Es ist immer empfehlenswert der Richtung der Nase zu folgen und den Blick gerade zu halten. Das vermeidet, dass Du aussiehst wie ein Käfer weil Deine Augen zu viel weiss zeigen.

Überdrehte Augen
Überdrehte Augen

Lerne wie weit Du Deinen Kopf drehen kannst, bevor Deine Nase über die Wange heraussteht. Gehe wieder an den Spiegel und lerne wann der Winkel zu groß wird. Möglicherweise stirbt diese Regel, aber in so mancher Jury sitzen Menschen die darauf wert legen – also solltest Du auf jeden Fall darauf achten.

– Verlängere Deinen Hals um mehr Größe und Haltung zu simulieren. Sich daran zu erinnern ist möglicherweise eines der schwierigsten Dinge, denn es fühlt sich wirklich unnatürlich an. Stell Dich vor den Spiegel und sieh Dich an… Stehe gerade, dann ziehe die Schultern etwas zurück, lasse Dein Gesicht nach vorne kommen… Bemerkst Du den Unterschied in der Dicke deines Halses? Das ist ein Sofort-Schlankheits-Trick.

– Gehe einen Schritt weiter und drücke dein Kinn Richtung Kamera, wenn Du eine starke Schattenlinie haben willst.

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Schattenlinie durch gedehnten Hals und Richtung Kamera geneigtes Kinn

– Wenn der Fotograf auf 12 Uhr steht, drehe Dich besser auf 13.30 Uhr als auf 15 Uhr – denn die 15 Uhr-Haltung wird Dich ein paar Zentimeter kleiner machen. Wenn Du Dich drehst, drehe Dich in den Schatten, nicht in das Licht. Eine allgemein gültige Regel lautet: Verstecke im Schatten, was du nicht zeigen willst. Vergesst Weight Watchers – hier geht es um taktisch kluges Posing!

– Wenn Du dünner erscheinen willst, kannst Du eine “falsche Taille” erzeugen. Dazu drehst Du Dich zur Kamera und machst die gewünschte Linie durch geschickte Platzierung Deiner Hände auf der Hüfte. Schlau, oder? 🙂

Die "falsche" Taile
Die “falsche” Taille

– Wenn Du wie ich bist und nicht diese natürlichen Kurven hast, dann fake diese. Und damit meine ich nicht die plastische Chirurgie. Wie oben gezeigt ist es von großem Vorteil, wenn man seine Hüfte für eine sehr gute Form drehen lernt – auch wenn das nicht jeder machen kann. Überkreuze Deine Knie leicht und unterstreiche damit die “S”-Figur.

– Lasse Deine Hände locker und fließend. Man hört oft von “Ballet-Händen”… aber wenn Du ein bisschen wie ich bist und der einzige Tanz den Du kannst der “Truffle shuffle” ist, halte Deinen Mittelfinger etwas tiefer als die anderen und entspanne sie in einer leichten Kurve. Presse die Finger nicht zusammen und vermeide die Rückseite der Hände zu zeigen. Warum? Weil Handrücken groß und hässlich sind – die Handkante dagegen ist klein und zierlich. Dieser Trick wurde mir am Anfang meiner Kariere eingetrichtert von meinem befreundeten Fotografen Gary Hill.

Sehe selbst, wie viel länger und größer meine Hände wirken wenn ich sie gerade halte:

Handhaltung
Handhaltung

– Spiele mit dem was da ist. Wenn Du ein weites, fliegendes Kleid anhast, spiele damit, werfe es in die Höhe oder arbeite damit wie es am Boden schwingt. Wenn Du Hosen trägst, erinnere Dich daran nicht die Beine zusammen zu pressen.

Von der ganzen Theorie in die Praxis in Paris:

Fotograf: Andrew Appleton | MUA Donna Graham & assistant Vicki Head
Fotograf: Andrew Appleton | MUA Donna Graham & assistant Vicki Head

Du solltest wissen was Du anziehen wirst und warum. Wenn Du gebucht wirst um ein spezielles Produkt zu verkaufen, achte darauf Posen zu wählen die das Produkt gut zeigen, anstatt es zu verstecken.

– Schaffe Dir ein “Model Kit” an und bring es zu jedem Shooting mit. Da werden Dinge drin sein, die Du brauchst aber nicht unbedingt in den Vorbereitungsgesprächen erwähnt wurden. Das sind: Straßen/Studio-Schuhe, schwarze und hautfarbene Unterwäsche, Gesichtstücher, Feuchtigkeitscreme/Öl für Deine Beine, eine einfache Weste, einen Strohhalm (sonst ruinierst Du Dir den Lippenstift), etwas Wasser und einen Snack (Möglicherweise ist die Shootinglocation weit weg von jeglichen Geschäften), Ersatzstrumpfhosen bei Unterwäscheshootings … und natürlich Haarspray, einen Abdeckstift, Haarklammern, Pinsel und Wimpernkleber (falls die MUA nicht während dem Shooting bleiben kann). Wenn Du für einen speziellen Job gebucht bist, zum Beispiel als Braut, wird es sehr gerne gesehen wenn Du eigene, passende Accessoires dabei hast. Zum Beispiel einen Trauring.

– Sei bitte ehrlich, was Deine Maße, Größe und Gewicht angeht. Niemanden interessiert wie groß oder klein, wie dick oder dünn du bist… Aber wenn Dein Auftraggeber Deine Maße braucht, dann hat das einen Grund. Möglicherweise wirst Du unbezahlt heim geschickt, wenn Du hier gemogelt hast und die Maße etwas schön redest. Wenn Du nicht in die Casting Kriterien passt, spare bitte Dir und den anderen die Zeit und Mühe.

– Rede mit anderen Models, schau Dir Referenzen an und nimm nicht jeden Auftrag an. Auch wenn viele Leute denken, dass Models die Zicken wären, ist das in den meisten Fällen nicht wahr. Wir achten aufeinander und selbst die besten Models sind sehr hilfsbereit. Ich hatte schreckliche Angst mit den Leuten zu reden, die ich so sehr bewundere. Bis ich realisiert habe, dass sie auch nur Menschen und wir somit alle gleich sind… und plötzlich sind das wahnsinnig tolle Menschen, die Dir jederzeit helfen werden.

– Sei vor allem fröhlich, leicht hand zuhaben und bereit etwas mehr als üblich zu tun. Wenn es eine Freude ist Dich auf dem Set zu haben, wirst Du wahrscheinlicher wieder gebucht. Du bist ein Teil des Teams, also ziehst Du mit am Wagen. Divas will keiner mehr haben!

Spaß haben und den Shot trotz kaltem Regen bekommen: ‘I bleed colours’ aus meinem "Dreamcatcher Project" mit Richard Powazynski, Lauri Laukkanen und Donna Graham
Spaß haben und das Shooting trotz kaltem Regen hinbekommen: ‘I bleed colours’ aus meinem “Dreamcatcher Project” mit Richard Powazynski, Lauri Laukkanen und Donna Graham

Ich hoffe dieser Brief ist hilfreich und Du kannst etwas daraus mitnehmen. Wie gesagt – nicht alles wird für Dich funktionieren, es sind nur ein paar Tricks die ich gerne gehabt hätte als ich anfing mit dem modeln. Aber dann schaue Dir Kate Moss an, sie bricht all diese “Regeln” und sieht dabei immer noch fantastisch aus – so ist das in der Modelwelt.

An dem Tag an dem ein Job keinen Spaß mehr macht, solltest Du Dir einen neuen suchen. Arbeite hart und liebe Dein Leben!

Herzliche Grüße,

Das andere Model.

XXX


 

Alle Posing-Beispiele sind uneditiert für die wirkliche Darstellung. fotografiert von Jon (www.benthamimaging.co.uk)

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf jenbrookmodel.tumblr.com. Übersetzt von RAWexchange und hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Autorin Jen Brook. (auch auf Facebook)

 

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