In Photoshop gibt es für jede Aufgabe viele Lösungswege und jeder davon hat seine Vor- und Nachteile. Eine der wichtigsten Funktionen sind die Masken – vermutlich das wichtigste Tool in Photoshop – und das komplexeste.

Was genau machen die Masken und wofür brauche ich diese?

Mit Masken werden Freisteller realisiert, Farblooks auf Bildbereiche angewendet, Effekte an unterschiedlichen Stellen aufgetragen, Dodge&Burn-Arbeiten erledigt…

Genau genommen ist eine Maske nichts anderes als eine Pixelebene (nicht Vektor!) in schwarzweiss. Bereiche, die schwarz sind werden transparent, weisse Ebenen bleiben wie sie sind und alles dazwischen wird entsprechend halb-transparent. Fangen wir als mal ganz von vorn an – keine Angst, das Niveau wird im Laufe des Artikels schnell steigen 😉

Legen wir mal eine Ebene an, füllen diese mit oranger Farbe, dann eine zweite Ebene, die mit blau gefüllt wird und eine Maske bekommt. Standardgemäß wird die Maske in weiss angezeigt und hat somit keine Auswirkung auf das Bild. Alles ist blau.

 

Wenn man auf dieser Maske aber nun einen Verlauf erstellt (dazu klickt man einfach auf das kleine Ebenensymbol in der Ebenenliste), dann sieht das so aus:

gradient

Was ist passiert? Die Ebene Blau wird dort, wo die Maske schwarz ist durchsichtig und man kann das Orange sehen.

Im Photoshop-Alltag werden Masken gemalt oder mit unterschiedlichen Tools erstellt. Je nachdem was man eben gerade braucht. Erlaubt ist alles was funktioniert.

Ein paar Beispiele

Hier ein Bild und die dazu passende Dodge&Burn-Maske. Alles was hier zu sehen ist, sind Bereiche, die über Masken aufgehellt und abgedunkelt wurden.

Das ist ein schönes Beispiel, denn hier wurde auch einiges maskiert um die Farben entsprechend anzupassen. Hier die Maske für das Kleid:

Man erinnert sich: weiss sind die Bereiche, die bearbeitet werden. Ich erstelle mir Masken für die einzelnen Bereiche und lege diese auf Ordner. So kann ich beliebige Einstellungsebenen in diese Ordner legen. Verfeinere ich dann die Maske, wirkt das auf alle Einstellungsebenen.

Bildschirmfoto 2015-10-29 um 09.13.04

Man kann Masken auch verwenden um Personen freizustellen – klar. Das sieht dann so aus:

So eine Maske ist die Grundlage für z.B. eine Hintergrund-Ersetzung wie das hier:

jessy_03

Die Tänzerin und der Hintergrund stammen übrigens aus unserem Shop.

Wie werden Masken erstellt?

Die Art, wie man eine Maske erstellt, ist eigentlich egal – solange die Maske am Ende gut aussieht. Manche Werkzeuge sind aber nicht für jede Art der Maskierung tauglich. So kann man mit dem Pfadwerkzeug wohl kein Kleid oder Haare freistellen, für einen Würfel ist er aber sicherlich die beste Wahl. Die Freistellung über Kanäle kann super funktionieren und ist für viele Aufgaben sogar der einzige Weg. Deshalb will ich besonders darauf eingehen und Farbbereichsauswahl und Fokusfreisteller außen vor lassen (was nicht heisst, dass diese schlecht sind!)

Erstmal ein bisschen was Grundsätzliches zu den Kanälen:

Wenn wir uns im RGB-Modus bewegen, sind vier Kanäle zu finden:

Bildschirmfoto 2015-10-29 um 10.07.47

kanaele

Jeder dieser Kanäle ist eigentlich eine Maske und repräsentiert den Anteil der jeweiligen Farbe.

Man kann das auch simulieren, indem man drei Ebenen anlegt, diese mit den drei Grundfarben füllt und dort die Kanäle hinein kopiert. Stellt man diese nun auf den Ebenenmischmodus “Linear abw. (Add.)” und setzt das auf eine schwarze Fläche, hat man wieder sein Ausgangsbild.

Bildschirmfoto 2015-10-29 um 10.16.39

Man kann die einzelnen Kanäle auch kopieren (Rechtsklick auf den Kanal -> Kanal duplizieren) und diese Kopie weiter bearbeiten mit den üblichen Werkzeugen – allerdings sind dann keine Einstellungsebenen möglich. Es gibt hier aber einen Trick:

Wenn man auf das normale Bild Einstellungsebenen anwendet, haben diese natürlich auch Einfluss auf die Kanäle! Das kann man sich zu nutzen machen. Mein Ziel ist jetzt eine Maske von allen Hauttönen zu erstellen um diese getrennt vom Rest anzupassen. Also versuche ich mit ein paar Einstellungsebenen die Haut farblich zu separieren vom Rest. Die Hauttöne (also ROT) sollen möglichst hell werden, der Rest möglichst dunkel.

Mit diesen Einstellungsebenen kam ich zum gewünschten Ergebnis (Vorsicht – das ist natürlich von Bild zu Bild unterschiedlich):

einstellungsebenen

Im Vergleich haben sich meine Kanäle also stark verändert:

Gerade der Rotkanal ist schon mal ganz gut, er hebt sich schön von allem anderen ab.
Mit diesem Kanal als Grundlage (Rechtsklick -> Kanal duplizieren) wird dann mit einem Pinsel weiter gearbeitet. Die temporären Einstellungsebenen kann man wieder löschen.

Masken feintunen

Das Werkzeug der Wahl ist ein Pinsel im Modus “ineinanderkopieren”. Dieser Modus bedeutet: Wenn man mit weiss malt, werden Bereiche im Bild (oder im Kanal) aufgehellt, die heller sind als 50% grau. Bei einer schwarzen Pinselfarbe werden Bereiche dunkler als 50%  grau abgedunkelt. Man kann also ganz leicht die Masken “säubern”.

Nach etwa 5 Minuten mehr oder weniger vorsichtigem Pinseln sieht meine Maske so aus:

2015-10-07-Katharina0574-Kopie

Wer sich erinnert: Alles was weiss ist, wird bearbeitet. Also muss der Schmuck auch noch mit einem schwarzen Pinsel übermalt werden. Keine Angst vor diesen Arbeiten – das ist alles non-destruktiv und man kann immer wieder zurück und nachbessern.

Masken anwenden

Sobald der Kanal dann so ist, dass man damit arbeiten kann, geht es weiter:

  • cmd-Klick auf die Ebenenminiatur (erstellt eine Auswahl)
  • zurück in die Ebenen wechseln
  • einen Ordner erstellen
  • eine Maske erstellen (diese ist dann auch schon richtig gefüllt, weil ja vorher die Auswahl erstellt wurde)

In diesem Ordner kann man dann die Haut getrennt von allem anderen farblich anpassen. Die gleiche Maske kann dann natürlich invertiert verwendet werden, um z.B. den Hintergrund anzupassen.

farben03

Mit dieser Technik lassen sich also auch komplexe Masken recht schnell erstellen – man erinnere sich an das gelbe Kleid oben. Da gab es eine Maske für das Kleid, aber auch eine Maske für die darunter liegende Haut. Wer das mit dem Pfadwerkzeug machen möchte, kann sich gleich mal ein paar Tage frei nehmen.

Luminanzmasken

Der RGB-Kanal – also die Kombination aus allen drei Kanälen – repräsentiert die Helligkeit im Bild. Diese Masken kann man noch weiter einschränken.

Schatten:

  • cmd-klick auf den RGB-Kanal (erstellt eine Auswahl)
  • cmd+shift-Klick auf die Ebene verkleinert die Auswahl)
  • cmd+shift-Klick auf die Ebene (ja, zwei mal!)
  • neuen Kanal anlegen
  • Fläche füllen: mit weiss
  • Auswahl entfernen
  • den neuen Kanal invertieren
schatten
Luminanzmaske “Shadows”

Highlights:

  • cmd-Klick auf den RGB-Kanal (erstellt eine Auswahl)
  • cmd+ALT+Shift-Klick auf das Symbol im neuen Kanal
  • cmd+ALT+Shift-Klick auf das Symbol (ja, nochmal)
  • neuen Kanal anlegen
  • neuen Kanal mit weiss füllen
highlights
Luminanzmaske “Highlights”

Mitteltöne

Auf der Basis dieser beiden Masken kann man nun auch eine Maske mit den Mitteltönen erstellen. Basis ist wieder der RGB-Kanal, nur eben ohne die Tiefen und ohne die Highlights.

  • cmd-Klick auf das Symbol vor dem RGB-Kanal
  • neuen Kanal anlegen (“Midtones”)
  • Auswahl mit weiss füllen (das ist dann erstmal der Luminanzkanal)
  • cmd-klick auf den vorher angelegten Schatten-Kanal
  • im Kanal “Midtones” die Auswahl mit schwarz füllen
  • cmd-klick auf den vorher angelegten Lichter-Kanal
  • im Kanal “Midtones” die Auswahl mit schwarz füllen

Mit diesen drei neuen Luminanzkanälen kann man nun sehr schön die Tönung in den Schatten und den Highlights anpassen. Diese Technik hat Natalia Taffarel in ihrem Workshop sehr schön gezeigt – vor allem im Zusammenhang mit den Farbanpassungen und Paletten ergeben sich hier viele Möglichkeiten zur schnellen und effizienten Retusche.

Shortcuts gibt es hier natürlich auch nicht, man muss es einfach lernen und üben und üben und üben…

 

2 Idee über “Masken, Kanäle und Freistellen in Photoshop

  1. Pingback: Masken, Kanäle und Freistellen in Photoshop - by RAWexchange | Licht.Bar Fotografie

  2. Christian sagt:

    All diese hervorragenden Grundlage Themen (rund um Natalia Taffarel) in einem Video Tutorial von euch – das wäre absolut kaufenswert 🙂

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