Jaja, wir sind uns bewußt, dass der Titel ein bisschen wie Clickbaiting klingt. Aber im Gegensatz zum klassischen Clickbait ist der Titel hier tatsächlich passend.

Wenn man sich so im Internet herum treibt, tauchen immer wieder “Wie kann ich…”-Fragen auf und jeder scheint die perfekte Lösung, das einfachste PlugIn oder das großartigste Tutorial dafür zu haben. Meine Antwort ist irgendwie immer die gleiche und darüber habe ich mir Gedanken gemacht. Nach reiflicher Überlegung kann ich es zusammenfassen:

Je mehr ich über die Retusche weiss, desto einfacher werden meine Tools

Es gibt ja wirklich abenteuerliche Techniken, manche davon werden von Photoshop-Trainern auch recht gut verkauft. Je mehr ich allerdings lerne, desto mehr sehe ich die Nachteile der einzelnen Techniken. Was sich als ganz tolle, schnelle und geniale Lösung präsentiert, ist beim genauen Hinsehen (und damit meine ich auch “wenn man es sehen kann, weil man gelernt hat Dinge zu sehen”) eine Mogelpackung.

Ich habe – wie so viele andere auch – Jahre damit verbracht, mir jeden Artikel und jedes Tutorial anzusehen, das ich in die (digitalen) Finger bekam. Ich verschwendete Wochen auf Youtube und Co, bin auf hunderte dieser “Quicktips” voll abgefahren, habe tausende von Euros in Bücher, Workshops und Tutorials gesteckt. Mit der Zeit hat sich das aber dann geändert. Ich benutzte immer einfachere Werkzeuge, meine Techniken wurden immer mehr Basic.

Eines habe ich gelernt und das möchte ich Euch gerne weitergeben:

Jedes Bild besteht nur aus Helligkeitsunterschieden, Farbtönen und Sättigungsvariationen

Das kann man sich einfach mal auf ein PostIt schreiben und an den Bildschirm hängen, denn darauf beruht mein Workflow.

Strukturelle Probleme: Reparaturpinsel & Stempel

Der Reparaturpinsel nimmt von einer Stelle des Bilder alle Pixel auf und kopiert sie an eine andere. Anschließend nimmt er eine Luminanz- und Farbkorrektur vor. Ja, der Reparaturpinsel ist toll. Mit ihm kann man Pickelchen, kleine Makeup-Probleme, Haare und viele andere Probleme einfach entfernen. Das wird ja oft mit der Frequenztrennung gemacht und das liegt vermutlich daran, dass früher der Reparatur-Pinsel einfach nicht so richtig funktioniert hat. Inzwischen ist das ein Zauber-Tool.

Wie geht man also vor?

Auf einer leeren Ebene verwende ich den Reparaturpinsel und nehme “aktuelle Ebene und darunter” auf.

Beachtet das hier: Beim Reparaturpinsel immer 100% Härte verwenden und an den Kanten starten – sonst wird das nichts.

Für alles, was der Reparaturpinsel nicht schafft, kann man den Kopierstempel im Modus “abdunkeln” und “aufhellen” sehr gut verwenden. Damit hat man JEDE Struktur im Griff.

Luminanz: Dodge&Burn

Der beste Weg, um komplexe Farbinformationen/-fehler zu bearbeiten, ist sie erstmal wegzulassen und sich nur auf die Luminanz zu stürzen. Wer genau wissen möchte, was der Unterschied zwischen “Helligkeit und Luminanz” ist, dem sei es sehr stark vereinfacht erklärt:

Luminanz ist die subjektive Helligkeit. Ein GELB wird bei gleicher Helligkeit gegenüber einem BLAU immer heller aussehen. Es hat mehr Leuchtkraft und somit mehr Luminanz. Wenn man die Farbinformationen beiseite lässt, sollte man immer die Luminanz bearbeiten, nicht die Helligkeit – denn das bringt neue Probleme mit sich.

Wie kann man die Farbinformationen aus einen Bild entfernen?

Legt eine Ebene an, füllt sie mit Schwarz oder Weiss und macht diese Ebene in dem Modus “Farbe”. Ihr seht Euer Bild in schwarz-weiss – und zwar unter Berücksichtigung der Luminanz.

Wie bearbeitet man die Luminanz?

Das macht man mit Dodge&Burn. Egal ob man nun auf einer neutralgrauen Ebene, einer leeren Ebene, mit Gradationskurven, der Tonwertkorrektur oder aber mit den Photoshop-Tools Abwedler und Nachbelichter macht – solange man in dem schwarzweissen Bild arbeitet ist die Welt in Ordnung.

Unterschätzt diesen Schritt nicht – die meisten Details im Bild kommen durch die Luminanzunterschiede. Ein Schwarzweiss-Bild enthält seine kompletten Informationen, seine Tiefe – einfach ALLES – in den Luminanzwerten. Farbe gibt es ja da nicht.

Farbe: Alles mögliche

Da nun die Luminanz richtig ist, greifen die luminanzbasierten Farbwerkzeuge wie die Verlaufsumsetzung und Tools im Modus “Farbe” wesentlich besser. Man kann damit grobe Anpassungen sehr leicht vornehmen. Ein Beispiel dafür findet ihr hier.

Mehr ist da nicht.

Fazit

Es braucht keine besonderen Werkzeuge (mit der Ausnahme des Toolkits, das ich extrem hilfreich empfinde) und das Wissen darum ist sehr schnell gelernt. Der etwas komplexere Teil ist die Übung. Retusche ist ein Handwerk und man muss sich einfach hinsetzen und das Trainieren, seinem Auge beibringen die kleinen Unterschiede zu sehen und so weiter…

Fast jede retuschebezogene “Wie kann ich”-Frage in Foren, Gruppen und von anderen Bildbearbeitern lässt sich so beantworten:

Reparaturstempel und Dodge&Burn mit anschließender Farbkorrektur.

Um das ganze noch etwas zu unterstreichen, hier ein vorher-nachher-Bild.
Hier wurde genau nach diesen Regeln vorgegangen.

… und als crop sieht das so aus:

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3 Idee über “Mit dieser Strategie behebst du jedes Bildproblem

  1. Dirk sagt:

    Hallo Stefan, toller Beitrag mit sehr viel Inhalt. Leider habe ich diesen Beitrag erst gefunden über die Rezessionen zum Video “Frequenztrennung”. Für mich persönlich das ergiebigste am heutigen Abend. Wenn man deinem Beitrag glauben mag ist Hautretusche mit den einfachsten Mitteln in PS umzusetzen. Ich freue mich schon jetzt auf meine ersten Gehversuche und bin gespannt auf mehr Input von Dir :-). Einfach…einfach gut!

    • Marcus Wüllner sagt:

      Ich, als Anfänger in der Retusche, stehe gerade vor der Frage “Lieber FT oder D&B” – womit sollte man beginnen bzw. womit sollte man sich besser beschäftigen?
      Mit Sicherheit hat beides Vor- und Nachteile, aber irgendetwas ist der bessere Startpunkt, nur was?

  2. Pingback: RAW-Entwicklung in der Porträtfotografie - Studio SpiegelschlagStudio Spiegelschlag

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