In diesem Gastbeitrag erklärt Rechtsanwalt Dr. Schwenke für RAWexchange, welche rechtlichen Stolperfallen Unternehmern drohen und wie sie vermieden werden können.

Aufklärung statt Abmahnung

Bevor wir zum Fachlichen kommen, eine kurze Einleitung von uns (RAWexchange):

Vor ein paar Wochen wurden wir auf ein Video einer Mitbewerberin aufmerksam gemacht, in der sie sich selbst als “die einzige Trainerin auf dem europäischen Markt, die sich mit dem Beruf auskennt” bezeichnet. Zu ihrem gleichzeitig feilgebotenen Kurs sagt sie “Ich weiß, dass mein Kurs der einzige auf dem deutschen Markt ist, der dir alles beibringt was du für den Einstieg wissen musst”.

Nun, das sind starke Worte und lässt natürlich einige wettbewerbsrechtliche Alarmglocken klingeln. In der Foto-Community gibt’s tagtäglich kleinere Verstöße, die im Grunde keinen stören und dementsprechend ungeahndet bleiben. Aber hier reißt jemand den Mund doch ziemlich weit auf und diffamiert mal eben alle(!) anderen Anbieter auf dem deutschen Markt.

Wie dem auch sei. Kurze Rücksprache mit dem Anwalt zeigt: Könnte man durchaus mal abmahnen. Nachdem wir ein paar Sandsäcke verhauen hatten und der Durst nach süßer Rache wieder abgeklungen war, lenkten wir unsere Gedanken dann doch lieber in konstruktive Bahnen. Also investierten wir die Kosten für eine Abmahnung einfach in einen extrem guten Leitfaden für euch, damit ihr nicht auch irgendwann Post vom Anwalt bekommt.

Also abspeichern, ausdrucken, laminieren, verteilen…

Und jetzt Vorhang auf für Dr. Schwenke:

In erster Linie geht es beim Marketing und Onlinevertrieb um Effizienz, Reichweite und gleichzeitige Einsparung von Kosten.

Aber vor allem der letzte Vorsatz kann Probleme bereiten, wenn die Rechtsvorgaben missachtet werden. Denn Kosten und Zeitaufwand einer Abmahnung sind oft viel höher, als der Aufwand zu ihrer Vermeidung. Dabei kann schon die Befolgung einfacher Grundregeln helfen, teure Abmahnungen zu vermeiden.

Daher sollten Sie die Zeit investieren und die folgende Top 10 der häufigsten Fehler lesen. Prüfen Sie bitte dabei, ob Sie die folgenden Punkte beachtet haben. Falls nicht, erhalten Sie Tipps, Hinweise und Links mit deren Hilfe Sie für Rechtssicherheit sorgen können.

Übersicht der Top 10

  1. Uns wird schon nichts passieren und wir sitzen im Ausland
  2. Kopierte oder selbst erstellte AGB und Datenschutzerklärungen
  3. Fehlendes oder fehlerhaftes Impressum
  4. Datenschutzverstöße sind keine Kavaliersdelikte mehr
  5. Kaltakquise via E-Mail
  6. Unwahre Superlative und Alleinstellungsbehauptungen
  7. Irreführung von Verbrauchern
  8. Verstoß gegen fremde Markenrechte und Imagetransfer
  9. Urheberrechtsverstöße bei der Bilderwahl
  10. Fehlende Verträge mit Mitarbeitern und Beauftragten

1. Uns wird schon nichts passieren und wir sitzen im Ausland

Wer davon heutzutage noch ausgeht, dass die Rechtsverstöße nicht entdeckt werden, übersieht, wie einfach sie dank dem Internet aufzuspüren sind.

Mitbewerber beobachten sich gegenseitig und müssen dazu nur die Webseiten des Konkurrenten aufsuchen. Ebenfalls geben unzufriedene Kunden oder entlassene Mitarbeiter häufig Informationen zu Rechtsverstößen weiter. Auch Urheberrechtsverstöße sind mit Hilfe von Robots, die nach Texten oder Bildern suchen, einfach aufzuspüren.

Dank internationaler Abkommen, können auch Rechtsverstöße in anderen Ländern verfolgt und dort durchgesetzt werden. Wer zudem Kunden in einem Land anspricht, kann auch dort vor Ort verklagt werden. Das Urteil kann z.B. in das inländische Vermögen, wie Bankkonten, Domains, Büroeinrichtung oder Fahrzeuge vollstreckt werden. Ist das nicht möglich, müssen die Beklagten mit einer möglichen Haftstrafe rechnen, wenn Sie z.B. wieder Deutschland besuchen wollen.

Des Weiteren müssen zugegangene Abmahnungen beachtet werden. Wer sie missachtet, riskiert ein Gerichtsverfahren, dessen Kosten das Fünffache betragen können. So wird ein Wettbewerbsverstoß statt 1.500 Euro, plötzlich 7.500 Euro teuer. Hierbei sollte beachtet werden, dass die Abmahnenden nur den Versand der Abmahnung nachweisen müssen. Das ist in der Praxis einfach und daher wird der Einwand, die Abmahnung nicht erhalten zu haben, so gut wie nie zum Erfolg führen.

2. Kopierte oder selbst erstellte AGB und Datenschutzerklärungen

Ob bei Online-Shops oder anderen Arten von Geschäftsabschlüssen – in den meisten Fällen benötigen Unternehmer AGB und sind gesetzlich zur Bereitstellung einer Datenschutzerklärung verpflichtet.

Um sich den Aufwand zu sparen, werden diese Rechtstexte von Mitbewerbern übernommen. Das fällt auf, da Mitbewerber wiederum die Konkurrenz beobachten und viele Anwaltskanzleien das Internet nach Kopien derer Werke durchsuchen.

Was folgt, ist eine Abmahnung mit Kosten- und Schadensersatzforderungen für die unerlaubte Nutzung, die zusammen mehrere tausend Euro betragen können. Trotz der Zahlung dürfen die übernommenen Rechtstexte nicht weiter genutzt werden, so dass der Aufwand für deren Beauftragung zusätzlich entsteht.

Um zu vermeiden, dass die Kopien entdeckt werden können, kommen manche Unternehmer auf die Idee, AGB oder Datenschutzerklärungen aus Versatzstücken zusammenzusetzen.

Zwar ist dabei die Gefahr wegen Urheberrechtsverstößen entdeckt zu werden geringer. Dafür ist das Risiko, dass solche AGB unwirksam und zudem abmahnbar sind, sehr hoch. Wer nicht das Fachwissen hat, um einschätzen zu können, ob die AGB-Passagen noch aktuell sind und welche Wirkung sie im Zusammenspiel entfalten, sollte besser von zusammengestückelten AGB Abstand nehmen.

3. Fehlendes oder fehlerhaftes Impressum

Dass praktisch alle Onlineangebote ein Impressum brauchen, sollten mittlerweile alle Unternehmer verinnerlicht haben. Denn auch wenn Impressumsfehler häufig (berechtigterweise) als banal erscheinen, können sie zu Kosten von rund 1.800 Euro (samt eigenem Rechtsanwalt) nach sich ziehen.

Die Pflichtinhalte von Impressen sind jedoch von Branchen abhängig, in unterschiedlichen Gesetzen verstreut (insbesondere in § 5 TMG, § 55 RStV, DL-InfoV, 36 VVG) und werden immer wieder aktualisiert. Aus diesem Grund müssen Unternehmen immer wach bleiben und mindesten jährlich prüfen, ob deren Impressum noch den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

So müssen z.B. Unternehmen, die sich an Verbraucher richten, spätestens seit Februar 2017 Informationspflichten im Hinblick auf eine alternative Streitbeilegung beachten.

Der Umfang aller möglichen Impressumsinhalte würde den Umfang dieses Beitrags sprengen, weshalb auf Quellen, wie z.B. Anbieterkennung.de oder eine Vielzahl von Impressums-Generatoren im Netz verwiesen wird.

Neben dem Impressum auf der Website, muss die Impressumspflicht auch in sozialen Netzwerken beachtet werden. Hierzu verweist der Autor auf seine Beiträge zu Facebook und anderen Netzwerken.

Was viele nicht wissen: werden zudem konkrete Leistungen mit Preisangaben in einzelnen Social-Media-Postings beworben, so müssen diese ebenfalls Angaben zum Anbieter enthalten.

4. Datenschutzverstöße sind keine Kavaliersdelikte mehr

Mit der ab Mai 2018 geltenden EU-Datenschutzverordnung und Bußgeldern von bis zu 4 % des Jahresumsatzes (max. bis 20 Mio Euro), zeigt der Gesetzgeber, wie ernst ihm der Datenschutz ist. Auch wenn diese Zahlen von Unternehmen selten erreicht werden, können mehrere tausend Euro an Bußgeldern dennoch weh tun.

Hinzu kommt, dass Gerichte Mitbewerben erlauben fehlende Hinweise in der Datenschutzerklärung (z.B. beim Einsatz von Tools wie Google Analytics) kostenpflichtig abzumahnen. Dabei sind die Kosten von bis zu 1.800 Euro noch nicht mal die schlimmste Folge. Vielmehr droht bei Wiederholung eines „kerngleichen“ Verstoßes im Datenschutz eine Vertragsstrafe von 5.000 Euro. Angesichts der Schwierigkeit im Datenschutz Erklärungen optimal zu gestalten, sollte eine Abmahnung unbedingt von Anfang an vermieden werden.

Neben reiner Information gehört die Erstellung eines Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten, etwaiger Risikofolgenabschätzung sowie Abschluss von Vereinbarungen über Verarbeitung von Daten im Auftrag mit Dienstleistern, zur Pflichtaufgaben eines jeden Unternehmens.

Aufgrund der oft unklaren Rechtslage müssen Unternehmen zudem generell zwischen wirtschaftlichen Vorteilen und Risiken beim Datenschutz, z.B. beim Einsatz von Remarketing-Tools wie Google Double Click, dem Facebook-Pixel oder Custom Audiences abwägen.

5. Kaltakquise via E-Mail

E-Mailwerbung ist nur mit der Einwilligung der Nutzer zulässig (§ 7 Abs. 2 Nr. 3 UWG) zulässig. Daran wird sich auch mit der kommenden Datenschutzreform nichts ändern.

Dabei muss beachtet werden, dass die Nutzer die Einwilligungen explizit (also nicht versteckt in AGB oder mit vorangehakten Checkboxen) und informiert abgeben müssen. D.h. sie müssen wissen welchen Inhalt die Werbeinformationen ca. haben werden (Beitrag des Autors zur Vertiefung). Da zudem auch der Einwilligungsempfänger bekannt sein muss, wird deutlich, warum der Kauf von rechtssicheren Adressen von Adressbrokern kaum in Frage kommt.

Einwilligungen müssen zudem in einem Double-Opt-In-Verfahren eingeholt werden, da deren Erhalt ansonsten nicht nachgewiesen werden kann.

Ausnahmen beim „mutmaßlichen“ Einverständnis aufgrund potentiellen Interesses der Empfänger existiert ebenso wenig, wie Erleichterungen für Werbung gegenüber Businesskunden. Auch wäre es ein Irrtum anzunehmen, dass nur Produktwerbung untersagt ist. Praktisch jede E-Mail, die nicht im Rahmen und zu Zwecken bestehender Geschäftsverhältnisse versendet wird, stellt Werbung dar (z.B. auch Hinweise auf eine neue Facebook-Seite oder auf karitative Tätigkeiten).

Allenfalls, wenn die Kunden im Rahmen eines vorangegangenen Geschäftsabschlusses hierauf hingewiesen und über Widerrufsmöglichkeiten belehrt wurden, kann ihnen Werbung ohne Einwilligung für ähnliche Waren und Dienstleistungen zugesandt werden (§ 7 Abs. 3 UWG).

Bei Verstoß gegen die genannten Regeln drohen neben Bußgeldern und Abmahnungen seitens der Empfänger, auch Maßnahmen von klagebefugten Organisationen (z.B. Wettbewerbszentralen) oder Mitbewerbern. Besonders die letzten beiden Fälle sind fatal. Zwar können in allen Fällen Kosten bis zu 1.000 Euro und eine Vertragsstrafe von bis zu 5.000 Euro fällig werden. Wird die Abmahnung jedoch von klagebefugten Organisationen oder Mitbewerbern ausgesprochen, so wird die Vertragsstrafe nicht nur beim erneuten Versand an einen konkreten Empfänger fällig. Vielmehr muss sie gezahlt werden, sobald irgendein Empfänger eine unerlaubte Werbe-E-Mail erhält.

Trotz der Hürden ist es kein Geheimnis, dass Werbemailings auch ohne einwandfreie Einwilligungen versendet werden. Dies kann sich durchaus wirtschaftlich lohnen (man spricht dann von sog. „Smart Risiks“). Jedoch sollten Sie das Risiko nicht ohne eine vorhergehende Risikoeinschätzung und Beratung zum Risikomanagement eingehen. Nur so können die Risken mit den wirtschaftlichen Faktoren abgewogen werden.

6. Unwahre Superlative und Alleinstellungsbehauptungen

Kaum etwas verärgert Konkurrenten mehr, als Mitbewerber die sich zu Unrecht über sie oder auf die gleiche Stufe stellen. Es ist zwar legitim sich oder die eigenen Produkte für die besten auf dem Markt zu halten. Damit zu werben ist jedoch nur dann erlaubt, wenn diese Ansicht auch objektiv zutreffend ist.

Gefährliche Allein- oder Spitzenstellungsbehauptungen kennzeichnen sich durch klare Aussagen wie z.B. „Die Besten“, „die Größten“, „gehören zu den Schnellsten“ oder „die günstigsten“. Aber auch mittelbare Aussagen, wie „Das unschlagbare Preis/Leistungs-Verhältnis“ oder „Wenn Qualität, dann kommen nur wir in Frage“ bedeuten nichts anderes, als dass alle anderen schlechter sind.

Derartige Aussagen sind nur zulässig, wenn der Abstand zu Mitbewerbern von relevanter Größe (z.B. 10 % mehr Umsatz oder Kunden beim „größten“ Unternehmen) und Dauer (es sollten schon mehrere Monate ohne Fluktuationen sein) ist. Zudem kommt es auf die relevanten Faktoren an. Bei der Aussage „die Besten“ wird es darauf ankommen, auf welche Merkmale die Kunden diese Aussage beziehen (z.B. auf den Umsatz, die Produktvielfalt, die Servicegeschwindigkeit oder gar alles zusammen).

Zulässig sind dagegen nur deutlich erkennbare reklamehafte Übertreibungen, wie z.B. „Das Beste an ihrem Leben“ für eine Verbrauchsware.

7. Irreführung von Verbrauchern

Neben dem Verbot von unerlaubter Werbung mit Allein- und Spitzenstellung, hält das Wettbewerbsrecht einen großen Katalog an abmahnbaren Rechtsverstößen bereit:

  • Preiswerbung: Vor allem bei der Preiswerbung werden viele Fehler begangen. So müssen Verbraucher immer über die im Preis enthaltene Umsatzsteuer aufgeklärt werden („ USt“). Bei UVPs und durchgestrichenen Preisen muss über die alten Preise aufgeklärt und bei Einführungspreisen deren zeitlicher Rahmen angegeben werden.
  • Gewinnspiele: Gewinnspiele müssen in Teilnahmebedingungen die Modalitäten enthalten und vor allem das Enddatum nennen (zusätzlich müssen in sozialen Netzwerken auch deren Regeln berücksichtigt werden; so verlangt Facebook einen Disclaimer und schränkt bestimmte Gewinnspielhandlungen, z.B. „markiert Eure Freunde in den Kommentaren“ ein).
  • Bewertungsmanipulation: Positive Eigenbewertungen oder Abwertungen von Mitbewerbern sind ebenso unzulässig, wie Kunden wirtschaftliche Vorteile für eine Bewertung anzubieten (z.B. einen Rabatt).
  • Testimonials: Testimonials müssen echt sein und dürfen nicht mit Fotos aus Stockbildarchiven bebildert werden.
  • Gütezeichen: Siegel, Gütezeichen und Testergebnisse dürfen nur mit Erläuterung ihrer Grundlagen und Voraussetzungen eingesetzt werden.
  • Werbung mit Selbstverständlichkeiten: Mit Selbstverständlichkeiten (z.B. „Zwei Wochen Widerrufsfrist“ und „zwei Jahre Gewährleistung“) darf nicht geworben werden.

Da diese Liste noch sehr viel länger und detailreicher ist, sollten Unternehmer sich zumindest eine Übersicht verschaffen, wie z.B. hier bei der IHK Frankfurt a.M.

8. Verstoß gegen fremde Markenrechte und Imagetransfer

Zu den teuersten Rechtsverstößen (schon die erste Abmahnung kann bis zu 3.000 Euro kosten) gehören die Verletzungen der Rechte an fremden Marken und Unternehmensnamen (da für beide gleiche Regeln gelten, werden beide nachfolgend zusammen als „Marke“ bezeichnet).

Marken gehören zu den wertvollsten Wirtschaftsgütern, da sie praktisch alle Mühen zur Produktion, Marketing, Vertrieb und Kundenerfahrungen speichern. Wer z.B. die Marke „Apple“ hört, der verbindet mit ihr gemeinhin andere Qualitätsvorstellungen, als mit Geräten aus dem Billigsegment.

Es ist daher nicht überraschend, dass die Markeninhaber auf einen unerlaubten Imagetransfer sehr schnell mit Abmahnungen reagieren. Dazu sind sie auch durch das Gesetz verpflichtet, da die Duldung einer unerlaubten Nutzung deren Markenrechte in der Zukunft schwächen kann.

Daher sollte man vor der Benennung des eigenen Unternehmens oder von eigenen Produkten, immer eine Markenrecherche durchführen. Die Markenrecherche sollte für alle Länder erfolgen, in denen man Zielgruppen erschließen möchte. Dabei gibt es zwei Prüfungsstufen:

  1. Gibt es eine Marke, die von der Schreibweise oder Phonetik ähnlich klingt? (z.B. klingt „Äpl“ ähnlich wie „Apple“)
  2. Sind die unter der Marke angebotenen Produkte/Leistungen den eigenen zumindest ähnlich? (z.B. Computerhersteller und Computerreparaturen)

Werden beide Punkte bejaht, so liegt sehr wahrscheinlich eine abmahnbare markenrechtliche Verwechslungsgefahr vor.

Als erste Recherchequelle bieten sich gewöhnliche Suchmaschinen an. Daneben sollten auch Markenverzeichnisse bemüht werden: Deutsches Patent- und Markenamt, European Union Intellectual Property Office, TMView.

Neben Wortmarken können auch Logos als Bild- und Wort-Bild-Marken geschützt sein. Hier gestaltet sich die Recherche noch schwieriger, da keine algorithmisch-gestützte Datenbank existiert. Stattdessen muss bei der Markenrecherche zusätzlich mit einem Bilderkatalog gearbeitet werden (sog. Wiener Klassifikation).

Ferner dürfen bekannte Marken (Daumenregel: mehr als 50% der Zielgruppe bekannt) auch ohne eine Verwechslungsgefahr nicht verwendet werden. Z.B. sollte ein Designer nicht damit werben, dass seine Userinterfaces „eine Qualität wie von Apple“ haben.

Die wenigen Beispiele zeigen, warum eine Vorprüfung der Markenrechte zu den Top-Prioritäten von Gründern, aber auch später im Marketing, gehören sollten.

Daneben sollte nicht vergessen werden, die eigenen Marken zu registrieren. Schlimmstenfalls kann es sonst passieren, dass ein Dritter die Marke „wegregistriert“ und man wohl oder übel zu einer Umbenennung gezwungen wird.

9. Urheberrechtsverstöße bei der Bilderwahl

Alle Fotografien und Grafiken sind geschützt. An dieser Grundregel sollten sich alle Unternehmer orientieren. Daher lohnt es sich Geld in Stock-Bilder oder Werke von Fotografen und Grafikern zu investieren, statt sich an den Ergebnissen der Google-Bildersuche zu bedienen.

Doch auch Stockbilder sollten nicht blind, sondern nur nach Studium der Lizenzbedingungen verwendet werden. Zu den wichtigsten Punkten gehören die Pflicht und die Art und Weise der Urheberangabe sowie Nutzungsbeschränkungen (z.B. dürfen Aufnahmen von Models nicht in einem für deren Persönlichkeit abträglichen, etwa erotischem Kontext verwendet werden).

Ist eine Nutzung der Bilder in Social Media geplant, sollte immer geprüft werden, ob eine Social Media Lizenz eingeschlossen ist oder zusätzlich erworben werden muss.

Die Kosten bei Bildverstößen hängen von der Qualität, der Nutzungsdauer und den üblichen Lizenzgebühren des Urhebers ab. Wer z.B. das Bild eines professionellen Fotografen ohne Urhebernennung auf der Hauptseite für ein Jahr Nutzt, darf mit Kosten von rund 2.000 Euro rechnen.

10. Fehlende Verträge mit Mitarbeitern und Beauftragten

Wenn Arbeits- oder Dienstleistungsverträge abgeschlossen werden, greifen Unternehmen häufig zu Standardverträgen. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, solange keine Besonderheiten vorliegen

Besonderheiten treten vor allem auf, wenn Mitarbeiter im Kundenpflege-, Entwicklungs- und Marketingbereich tätig sind:

  • Datenschutz: Mitarbeiter, die mit Daten von Kunden oder Vertragspartnern umgehen, müssen über einschlägige Datenschutzvorschriften belehrt werden und sollten eine Verpflichtung auf das Datengeheimnis abschließen.
  • IP-Klauseln: Mit Mitarbeitern, die kreative Werke schaffen oder Software erstellen, sollten Vereinbarungen zu Gunsten des eigenen Unternehmens über die dabei entstehenden Schutzrechte getroffen werden.
  • Einwilligungen: Wenn Mitarbeiter für Marketingzwecke abgebildet werden, z.B. illustrierend auf der Website, werbend in Social-Media-Postings oder in Image-Videos auftauchen, sollte vorab deren schriftliche Einwilligung eingeholt werden.
  • Rechte an Konten und Kontakten: Ist nicht klar, ob ein Online-Account einem Arbeitnehmer oder dem Arbeitgeber gehört, wird im Regelfall der Arbeitnehmer gewinnen. Daher sollte beim Anlegen oder Einsatz von Online- und Social-Media-Accounts immer geklärt werden, wem die Accounts oder zumindest die im Rahmen ihres unternehmerischen Einsatzes gesammelten Kontakte (z.B. Geschäftskontakte bei Xing) gehören.

Fazit

Die vorstehende Top 10 mag bei Ihnen das Gefühl erzeugt haben, dass es heutzutage kaum möglich ist, sich zu 100% rechtskonform zu verhalten. Dies mag im Internet im Hinblick auf Urheber- und Datenschutzgesetze durchaus stimmen.

Doch kann bereits ein Großteil der Risiken durch die Beachtung der Punkte minimiert werden. Vor allem ist es wichtig, dass Sie wissen, wo die häufigsten Fehler passieren, um sich dann umfassender zu informieren oder um einen Rechtsrat einholen zu können.

Zum anderen sollten Sie nicht gleich aufgeben und sich bemühen möglichst viele der genannten Punkte zu beachten. Auch wenn nicht alles perfekt wird, so mindert jeder Schritt zur Rechtssicherheit das Risiko von Abmahnungen und wirtschaftlichen Nachteile erheblich.


Über den Autor

Dr. jur. Thomas Schwenke, LL.M. (UoA), Dipl.FinWirt (FH), ist Rechtsanwalt in Berlin, berät international Unternehmen sowie Agenturen im Marketingrecht, Urheberrecht, Vertragsrecht und E-Commerce, ist zertifizierter Datenschutzbeauftragter sowie Referent, Blogger, Podcaster und Buchautor.

Website: https://drschwenke.de, Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Rechtsbelehrung-Podcast.


Hinweis von Dr. Thomas Schwenke: Die hier vertretenen Ansichten stellen die Meinung des Autors dar und können in diesem sich permanent entwickelndem Rechtsbereich keinen Anspruch auf absolute Rechtssicherheit erheben. Ebenso dient der Beitrag einer Übersicht über die Problematik und stellt keine umfassende Darstellung aller möglichen rechtlichen Details und Probleme dar, zumal jeder Fall einzeln beurteilt werden muss.

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