In letzter Zeit scheint es so, daß Dinge in meinem Fotografenleben in kleinen Gruppen passieren. Plötzlich bekomme ich Emails von Leuten aus dem gleichen Land oder mir fallen viele ähnliche Ideen zu einem Thema ein und sogar das Wetter bleibt für lange Zeit gleich. Das ist alles großartig – aber auch nicht so Tolles kommt gerne auf einmal und damit musste ich mich die letzte Woche herum schlagen.

Vor kurzem habe ich eine Nachricht von einem Freund bekommen. Er schickte mir einen Link zu einem Facebook Profil eines Fotografen und als ich darauf klickte fühlte ich sofort dieses beklemmende Gefühl im Hals. Du kennst das Gefühl, wenn du unvorbereitet bist und überrascht wirst – wie ein Schatten, der erstmal bedrohlich wirkt. Dieses Gefühl änderte sich beim herum klicken schnell in ein Ringen nach Worten.

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Was ich mir da ansah, war im Grunde das Profil von jemandem der seine Karriere als Fotograf aufbaut, indem er meine Fotos kopiert. Angefangen mit der Lichtsetzung, den Requisiten, weiter zum Posing bis hin zu der Schiebermütze, die ich oft auf Bildern trage. Alles war da. Die Fotos hängen in Galerien, werden von Magazinen als kreativ und einzigartig bezeichnet und werden in Büchern veröffentlicht. Ich musste mir die Fotos zweimal ansehen, um sicher zu gehen, dass hier nicht meine Bilder lediglich durch ein paar Filter gejagt wurden. Die Situation war nichts neues für mich, aber in dem Moment war ich absolut hilflos.

Ich bin definitiv niemand, der sich oder seine Fotos zu ernst nimmt. Ich stelle die meisten meiner Bilder ohne Wasserzeichen online, das ist meine Wahl, meine Freiheit als Künstler. Dennoch tut es weh, wenn die Arbeit nicht respektiert wird. Jedes mal, wenn ich über dieses Thema schreibe, taucht irgendwo ein Kommentar auf, der in etwa besagt: “Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung”. Bis zu einem bestimmten Punkt stimmt das. Ich bin auch nicht sauer oder beleidigt, wenn aufstrebende Fotografen durch meine Arbeiten inspiriert wurden und ihre Interpretation davon mit einem Backlink veröffentlichen. Auch ich wurde inspiriert durch andere Künstler und habe deren Stil in meinen Arbeiten interpretiert – und immer dazu geschrieben woher die Inspiration kam. Das Schmeichelnde – die Anerkennung – endet bei der Nachahmung dann, wenn die Quelle nicht genannt wird.

Wie am Anfang schon erwähnt, Dinge kommen in Gruppen und so kam es, dass ich am nächsten Tag einen anderen Fotografen auf Facebook entdeckte, der mich fein säuberlich aus meinen eigenen Bildern heraus retuschiert hat, um sich selbst dort einzusetzen. Er hat offensichtlich viel Zeit damit verbracht, die Bilder so aussehen zu lassen als wären es seine eigenen. Da waren einige Duzend dieser Bilder zu finden, alle mit einer anderen Person an meiner Stelle. Da war ich wieder sprach- und hilflos. Das war, als ob man in einen Film geht, und alle Schauspieler mit jemandem ersetzt wurden, den man da gar nicht erwartet hatte – einfach unheimlich.

Ich habe die Situation in einer Gruppe gepostet, in der sich Fotografen bei allen möglichen Problemen und Fragen helfen. Die Reaktion war bei beiden Beispielen ein einheitliches “Bitte was!?” . Meine erste Reaktion war: tief durchatmen, den Kopf kräftig schütteln und es einfach gut sein zu lassen. Durch die Unterstützung meiner Freunde, entschied ich mich diesmal anders und schrieb den beiden eine Nachricht, um mir ihre Version der Geschichte anzuhören.

Beide antworteten und beide Antworten hatten eine sehr ähnliche Aussage. Der Erste bestritt, jemals meine Arbeiten gesehen zu haben oder von mir gehört zu haben. Nach dem ich einen Link zu meinen Bildern geschickt habe – die er ja kopiert hatte – war seine Aussage: “Es gibt ganz schön viele Bilder im Internet, die ich gut finde”. Und damit beendete er die Konversation. Der Andere war angefressen, weil ich ihm nicht den nötigen Support geben und einen “künstlerischen Hintergrund” spenden wollte, den er mit seinen Freunden teilen kann. Nach einer weiteren Runde der Erklärungen habe ich ihn wegen Urheber-Verletzung auf Facebook gemeldet und die Bilder wurden entfernt. (Danke an Facebook für diese Funktion!).

Sich von einem anderen Künstler Inspiration zu holen ist nichts schlechtes, etwas zu schaffen das man gerne sehen will ist nichts schlechtes und sich von der Arbeit anderer die nötige Motivation zu holen um eigene Dinge auf die Beine zu stellen ist nicht unbedingt schlecht. Viele von uns haben Inspirations-Sammlungen, Lieblingsbilder die uns inspirieren und so weiter. Wenn das kippt in ein komplettes kopieren und klauen, dann ist es nicht nur respektlos dem Künstler gegenüber, es wird auch weiterhin dieses Gebaren “es ist im Internet, es gehört niemandem, ich kann es nehmen” nähren.

Als selbstständiger, freiberuflicher Fotograf arbeite ich hart daran Möglichkeiten zu finden, um mich voran zu bringen und auch Arbeiten zu schaffen, auf die ich stolz sein kann. Ich fühle mich unterstützt von meinen Fans und das hilft mir als Künstler zu wachsen. Wenn andere Leute diese Bilder einfach nehmen ohne zu fragen, fällt es mir schwer, mich auf das zu konzentrieren was ich eigentlich liebe und ich fange an die Schwere der Frustration zu spüren. Sich eigene Ideen auszudenken ist hart genug – auch ohne die billigen Kopien auf Instagram, die da ohne Inspirationsquellenangaben zu finden sind. Es ist wie wenn man in die Bibliothek geht und sich dort die leicht umbenannten Bestseller zu leihen (will jemand “Larry Motter und der Schein der Reisen” haben?)

Wenn du das hier liest, stehen die Chancen wohl gut, dass du nicht jemand bist, der eine Stunde photoshoppend damit verbringt, sich selbst in die Fotografien von jemand anderem zu retuschieren, aber es gibt gerade viele jüngere Künstler (nein, nicht alle!), die denken alles im Internet ist frei um es zu nutzen. Wir müssen uns weiterhin gegenseitig unterstützen um die Kreativität zu fördern anstatt die Grenzen der Nachahmung zu verwischen.

Dieser Artikel wurde von Joel Robison geschrieben und von RAWexchange übersetzt. Alle Bilder stammen von Joel (oder wurden von ihm exzessiv inspiriert/kopiert/plagiiert) und wir freuen uns sehr diesen Artikel mit seiner Genehmigung hier zu veröffentlichen. Original erschien der Artikel hier. Joel Robison kannst du hier verfolgen: Webseite, Instagram, Facebook

Update 25.07.2015:

Für denjenigen, der jetzt vielleicht denkt: “Meine Arbeiten sind zu nichtig, zu klein, zu wenig spektakulär – mich wird das nicht treffen” gibt es hier noch ein kleines Update.

Aktuell sind wir nämlich von etwas ähnlichem betroffen, haben erstmal sehr gelacht und fragen uns nun zu Recht: WHAT THE FUCK? 

Auch wenn es hier nicht um eine große Kampagne geht oder um große Arbeiten – de facto handelt es sich nicht mal um offizielle Arbeiten sondern nur um ein Behind-the-scenes-Füllbild – zeigt es doch wie schnell das gehen kann – und vor allem auch mit welchem Vorsatz.

Lasst mal schnell die Geschichte erzählen.

Letztes Jahr hatten wir das große Vergnügen für DIYphotography einige Blitzköpfe und Lichtformer von Multiblitz zu testen und einen Bericht darüber zu schreiben. Dabei wurden natürlich auch die Geräte fotografiert, um den Artikel durch Bilder ein wenig aufzulockern.

Bildschirmfoto 2015-07-25 um 12.32.52Vor kurzem erreichte uns dann eine weiter gereichte Anfrage, ob dieses Bild in einem deutschen Blog verwendet werden darf – was wir natürlich mit der Bitte um Quellenangabe bejahten. Ein paar Tage später gab es ein “Danke” und eine URL. So weit so gut.

Wie der Zufall will, wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Aufname inzwischen mit einem eigenen Wasserzeichen versehen wurde und keine Namensnennung mehr da ist. Als wir dann die Rechnung dafür schreiben wollten, wurden die Bilder natürlich abgeglichen und … naja …

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Ups… da hat sich aber jemand Mühe gegeben unseren unkreativen Schnappschuss nach zu basteln.

Was soll man sagen. Wie gesagt, wir haben erstmal ordentlich gelacht und da wir diesen Artikel ohnehin noch einmal nach oben holen wollten hat er nun dieses Update erfahren.

Kopiert oder Inspiriert?

Wir setzten uns jetzt mal hin und gucken was wir sonst noch so auf der Seite finden und woher da die Bildideen stammen. Updates folgen.

32 Idee über “Wenn Nachahmung aufhört dir zu schmeicheln

  1. Gudrun Klupsch Art sagt:

    Ja, irgendwie bin ich auch immer noch sauer, bei soviel Dickfälligkeit.

  2. Gudrun Klupsch Art sagt:

    Meinen Copy-Vermerk hat er schwarz übermalt und meine Kommentare dazu sind inzwischen schön auf Unsichtbar gestellt. Muss ich jetzt stolz darauf sein, dass meine Arbeit es wert ist, kopiert zu werden?

  3. Julez Jay sagt:

    Das lag ja hier speziell in der Natur des Artikels und der Tatsache, dass ich mich noch gut an das Original erinnern konnte, begründet.
    Grundsätzlich wäre es aber vielleicht eine tolle Sache wenn man an Stelle von “Gast Autor” auch gleich extern verlinken könnte (ich weiß, das ist bei einigen Plattformen nicht ganz leicht).

  4. Julez Jay sagt:

    Mein Kommentar sollte keinen Vorwurf beinhalten. Die Ironie, die sich einem aufdrängt, wenn man die Bilder und eine übersetzte Überschrift, die man in dieser Kombination schon kennt, sieht, sollte(s)t selbst ihr/du nachvollziehen können. Dass der eigentliche Autor genannt wird habe ich schon gesehen, alles kein Stress.

  5. Katja Eidam sagt:

    Nur wer den Artikel zu Ende liest erfährt allerdings, dass er nicht von euch ist, auch wenn oben klein Gastautor steht. Kopieren – klar – ist Mist, dennoch denke ich, dass da viel zu viel Energie reingesteckt wird, statt – wer das jetzt beruflich macht – an der Bekanntheit zu arbeiten. Wenn tatsächlich so ein Künstler es schafft, noch erfolgreicher zu sein, als der “Erfinder” selbst, würde ich mich anfangen zu wundern. (Anmerkung: mir wäre es Schnuppe, aber ich knipse auch nur zum Hobby).

  6. Tania März sagt:

    Bin ich froh, dass ich nur ein kleiner Fisch in einem großen Teich bin und sich keiner für meine Bilder interessiert. Die beschriebene Situation und auch das Update schließen Zufälle definitv aus. Den Leuten fehlt einfach der Respekt.

  7. Kerstin Fromme sagt:

    https://www.facebook.com/MichaelHanselPhotography?hc_location=ufi Hier ist so ein “Künstler” – er hat ne ganze Menge Comosings einfach nachgebaut – die auf der DA-Seite verlinkten Stocks einfach genommen und zum Teil sogar aus den “Vorlagen” einfach ausgeschnitten und verwendet – hat man daran erkannt, das die Einstellungsebenen für das ganze Bild (Ursprung) plötzlich nur noch auf Teilen zu sehen ist… Hat das dann auch als sein eigenes Werk ausgegeben ohne Quellen (nur geschrieben Quellen auf DA) und ohne den Ersteller des eigentlichen Werks zu nennen… Nein, nicht ich, eine Freundin war betroffen und hat dann nachgeforscht.

  8. Isa Ehrmann sagt:

    Ich kann das nachvollziehen. Mir erging es vor kurzem ähnlich.
    Mir fiel die Anordnung auf dem Foto sofort auf und sagte das auch direkt. Es stellte sich dann heraus, dass mein Foto tatsächlich die Vorlage zu dem gezeigten war, aber eben selbst gemacht. Nunja … Inspiration oder Ideenklau – der Grad ist sehr schmal. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt.

  9. Martin sagt:

    Offenbar ist es heute anerkannt, Dinge zu kopieren oder gar fremde Dinge zu nehmen und in eigene Inhalte umzuwandeln. Auf dem letztjährigen Portfolio-Review im NRW-Forum wurden kreative Fotografen mit wirklich kreativen Projekten abgestraft und “Künstler”, die andere Inhalte verwertet hatten, abgefeiert.

  10. NetzBlogR sagt:

    Wenn es ein Foto ist, was von der Art her ähnlich ist, dann sagt sicher keiner was. Aber in diesem Fall geht es weit über dieses eine Foto hinaus und in dem Moment ist es natürlich nicht mehr feierlich. Denn hier wird quasi mit der Kreativität anderer Menschen evtl. sogar Geld verdient.

  11. Fred Göllesch sagt:

    Es ist eine Zumutung, wenn andere sogenannten “Fotografen” eine Idee 1:1 kopieren. Es hat uns Fotografen viel Zeit und evt. auch viel Geld gekostet, die Idee zu realisieren. Z.B. diese Woche hatte ich ein Heißluftballon Shooting geplant. Erstens einen finder der einen Heißluftballon zur Verfügung stellt. Es müssen Stylisten, Visagisten, Modelle usw. koordiniert werden. und das alles unter einem Hut bringen. Da geht viel Zeit verloren. Und dann kommt da so ein Kopierer und macht mit meinem Foto Geld, nein, ich wehre mich redement dagegen. Ich kann Joel Robinson nur zu gut verstehen. my piece of cake. Fred

  12. Minni sagt:

    Ich kann deine Reaktion wirklich gut verstehen.. Es ist in meinen Augen nicht okay ein Bild zu “kopieren”. Man darf sich gerne von anderen inspirieren lassen.
    Ich finde es wirklich schön das du deine Bilder ohne Wasserzeichen veröffentlichst! Das zeigt, wie du schon sagtest, deine Freiheit als Künstler. Das die ausgenutzt wird ist leider echt schade und kommt immer wieder vor.. Ich komme aus dem Illustrations-&Webdesignbereich und sehe auch täglich wieder die selben Designs. Eine gute Idee wird kopiert anstatt es als inspiration für etwas neues zu sehen. Die Menschen machen es sich eben einfach.
    Ich musste mich auch einmal mit jemanden rumschlagen der ein paar der Designs einfach kopiert hat und auf seine Seite gesetzt hat.. Ohne Veränderung. (Da war sogar ein Wasserzeichen drauf..) Nur bestand das Wasserzeichen aus Abkürzungen, konnte also jeder was anderes daraus machen.
    Ich hoffe dein Beitrag ist ein Appell an die jenigen die sich es oft zu einfach machen.

    Übrigens: Deine Bilder sind wirklich toll 🙂 und anscheinend so toll, dass es einige Menschen gibt die so sein wollen wie du. Sie setzen es blöd um, aber andererseits lächle darüber. Du weißt es war deine Idee!

    Liebe Grüße

  13. Roy Schröder sagt:

    Ich Kopiere ach mansche Sachen 1zu1, aber nur um die Technik dahinter besser zu verstehen. Außerdem werden solche Bilder nicht veröffentlicht sondern dienen nur dem Training. Auf jeden Fall finde ich es richtig, dass du es bei Facebook gemeldet hast.

  14. Katharina Stonem sagt:

    aber der eine nachahmer hat zum teil schon ziemlich schlecht gephotoshopped, haha. sowas ist unterste schublade und dann bei der konfrontation zu behaupten man kenne die arbeiten nicht, erbärmlich. es ist 1 zu 1 der selbe hintergrund nur mit einem anderen filter drüber, wenn man sowas liest, dann wird einem ja gleich total schlecht und dazu noch angst und bange 🙁

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